erinnern Sie sich noch an Momente, wenn es in Ihren Kindertagen hieß „Familienfoto“, und „3, 2, 1 Spaghetti“ für ein Grinsen oder Lächeln auf allen Gesichtern sorgte. Bringt Sie möglicherweise heute das Anschauen von Fotos aus Kinder- oder Jugendzeit zu der Einschätzung „Oh wie peinlich“? – und am liebsten sollte das Foto nun wirklich niemand sehen.
Als Eltern sind Sie heute in der Situation, dass Fotografieren mit einem schnellen Handgriff via Smartphone in höchster Qualität möglich ist. Fix gezückt und ausgelöst, ist der Schnappschuss sofort verfügbar und gleich kann das Familienglück mit anderen geteilt werden. Die rasante Verbreitung über Social Media bringt einerseits sofortige Reaktionen auf den Bildinhalt. Doch können die Aufnahmen auch leicht in falsche Hände geraten und durch unüberschaubare Reichweiten riskieren wir als Eltern unliebsame Folgen für Sohn oder Tochter. Missbrauchen Datenhändler, Cyberkriminelle sowie pädophile Gruppierungen unseren Content, können aus Momenten der Freude belastende bis gefährdende Situationen entstehen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Kinderaufnahmen im Internet ist deshalb notwendig.
Aus Studien wissen wir: schon die Allerjüngsten sind mächtig in sozialen Netzwerken, auf Elternportalen und in Fotocommunitys präsent – obwohl sie selbst noch keinerlei Account haben. Doch Privatsphäre und Sicherheit unseres Kindes muss für uns Eltern an erster Stelle stehen. Deshalb ist es gut, wenn wir bei Familienaktivitäten, im Urlaub und generell im Alltag vermeiden, unser Kind erkennbar, leicht bekleidet oder gar nackt zu fotografieren. Insbesondere auf das Teilen von Fotos des Nachwuchses können wir verzichten und stattdessen für eine geschützte Austauschumgebung sorgen.
Wussten Sie im Übrigen schon: Um Kinder und Jugendliche zu schützen, wird das Recht am eigenen Bild als Persönlichkeitsrecht wichtig genommen. Das bedeutet, vor dem Fotografieren und auch vor dem Teilen stimmen die Abgebildeten zu und erklären sich einverstanden – auch die Jüngsten können das. In der Kita, der Schule, der Ferienfreizeit oder anderen Gelegenheiten nehmen Eltern stellvertretend das Recht ihres Kindes wahr. Wir Eltern schützen unsere Kinder zudem, wenn wir mit ihnen besprechen, wann welche Fotos okay sind und wer sie sich anschauen darf. Sicherheitseinstellungen an digitalen Geräten helfen dabei, Aufnahmeorte nicht preiszugeben und abgeschlossene Gruppen oder Passwortzugänge einzurichten. Informieren Sie sich auch, wie lange Anbieter von Fotobüchern Ihre Daten speichern.
SCHAU HIN! hilft Eltern zum dem Thema mit dem Foto-Guide für Eltern, einer hilfreiche Checkliste mit Fragen und Tipps zum Posten von Kinderfotos, sowie ab dem 15. Juni 2026 mit der Aktionswoche #KinderSindKeinContent. Wie Fachkräfte Kinderfotos im Netz in die Elternarbeit einbeziehen können, können Sie in der Broschüre „Sharing is not caring“ nachlesen.
Auch ich möchte Sie ermutigen, die Persönlichkeitsrechte Ihres Kindes zu schützen. Im besten Falle, indem Sie auf den digitalen Austausch von Kinderfotos ganz verzichten und stattdessen Familienmomente schaffen, in denen alle die Bilder gemeinsam anschauen.